Bauernbund | 03.12.2018

„Nutzt Waldschäden bitte nicht aus!“

Nach den Windwurfschäden in Südtirols Wäldern fürchten die SBB-Ortsobmänner, dass Handel und Industrie die Situation ausnutzen und fordern sie auf, die Waldbesitzer nicht im Stich zu lassen. Wie es weitergehen soll, berieten die Ortsobmänner kürzlich im Bauernbund-Hauptsitz in Bozen. von Andreas Mayr und Michael Crepaz

Was vom Wald übrig blieb: Die Waldbesitzer sind auf die Solidarität der Holzbranche angewiesen.

Was vom Wald übrig blieb: Die Waldbesitzer sind auf die Solidarität der Holzbranche angewiesen.

Nach der Verwüstung in Südtirols Wäldern sind die Waldbesitzer geschockt. Das zeigte sich auch bei einem Treffen der Bauernbund-Ortsobmänner aus den betroffenen Gemeinden, die kürzlich bei einer Informationsveranstaltung am Sitz des Südtiroler Bauerbundes in Bozen über die schwierige Holzmarktlage und die weitere Vorgehensweise berieten.

Die Unwetterereignisse, besonders die extremen Windgeschwindigkeiten hatten ja Ende Oktober durch mehrere Gemeinden eine Spur der Verwüstung gezogen. Ein betroffener Bauer aus dem Gebiet um den Karerpass machte beim Treffen seine dramatische Lage deutlich: „Ich hatte immer gute Holzqualitäten und konnte regelmäßig gute Erträge aus der Waldwirtschaft erzielen.“ Nun stehen von seinem fünf Hektar großen Wald nur mehr vereinzelte Bäume. „Den geplanten Neubau meines Stalles kann ich streichen“, bedauert der Bauer. Er geht davon aus, dass die Holzerlöse aufgrund der extrem tiefen Preise nicht mal für einen gebrauchten Traktor reichen. „Über mehrere Generationen werden aus unserem Wald wohl keine Erträge fließen“, schildert er die Lage vieler betroffener Waldbesitzer.

Forststraßen schonen
Mario Broll, Direktor der Landesabteilung Forstwirtschaft, gab bei der Veranstaltung einen detaillierten Überblick zur geografischen Verteilung der Windwurfschäden. In der Aufarbeitung des Schadholzes sieht er „eine enorme logistische Herausforderung.“ Es gelte nun, Hundertausende Festmeter Holz möglichst zeitnah aus den betroffenen Gebieten zu bringen. Der oberste Forstbeamte des Landes appellierte an die Waldbesitzer, die Forststraßen möglichst zu schonen: „Besonders bei ungünstigen Witterungsverhältnissen ist das wichtig, um die Passierbarkeit des Wegenetzes dauerhaft aufrecht zu erhalten und aufwändige Instandhaltungen zu vermeiden.“

Vorsichtig arbeiten
Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler verwies auf das Gefahrenpotential bei der Aufarbeitung der Windwurfschäden: „Die Holzarbeit im Windwurfgelände ist äußerst gefährlich!“ Er rät zu besonderer Vorsicht: „Zu den großen wirtschaftlichen Schäden sollten keine weiteren Arbeitsunfälle mit Verletzten oder gar Toten hinzukommen!“

Kritisierte Schleuderpreise
Die Ortsobmänner kamen auch auf den extrem schwierigen Holzmarkt zu sprechen. Die enormen Holzmengen haben zu einer Halbierung der bisher üblichen Preise geführt. Gar einige Funktionäre machten keinen Hehl daraus und griffen den Holzhandel sowie die nachgelagerte Holzindustrie scharf an. Ein Betroffener sah das folgendermaßen: „Hier nutzen Handel und Industrie die extrem schwierige Situation der Waldeigentümerschamlos aus.“ Hochwertiges Holz werde zu Schleuderpreisen verscherbelt. „Uns Betroffenen sind die Hände leider weitgehend gebunden.“

Erhoffter stabiler Brennholzpreis
Nachdem bei derartigen Windwurfereignissen ein hoher Brennholzanteil anfällt, hoffen viele Waldeigentümer zumindest auf einen einigermaßen stabilen Brennholzpreis. Wenn die Südtiroler Biomasseheizwerke ihren Hackschnitzelbedarf konsequent mit einheimischem Holz abdecken, könnten sie über die nächsten Jahre die anfallenden Holzmassen gut verwerten. Außerdem stellt sich bei Brennholz nicht das Problem einer möglichst raschen Verarbeitung, sodass ein großer Holzvorrat auch über mehrere Jahre problemlos gelagert werden könnte. Diesbezüglich appellierten die Bauernbund-Ortsobmänner an den Südtiroler Energieverband, sich weiterhin an die Richtpreise des Rahmenabkommens zu halten und sich nicht an der derzeitigen Preisspirale nach unten zu beteiligen.

An Fördermöglichkeiten denken

Gerade nach Waldschäden ist jede finanzielle Unterstützung willkommen. Wichtig ist: Als erster Schritt – noch vor den Aufräumarbeiten – ist der Gang zur zuständigen Forststation unerlässlich. Es geht darum, den Schaden zu erheben und den Antrag um die Holzbringungsprämie einzureichen. Diese über den ländlichen Entwicklungsplan finanzierte Prämie sieht für die bodenschonende Bringung je Festmeter Holz neun Euro für die Bringung mit Seilwinde, Traktor oder Forwarder, sowie 15 Euro für die Bringung mit Seilkran vor. Der Antrag muss bei der zuständigen Forststation immer vor Beginn der Aufräumarbeiten erfolgen!
Betroffene Landwirte, die ihr Holz selbst mit dem Traktor aus dem Wald ziehen, können zudem verbilligten landwirtschaftlichen Treibstoff beim Landesamt für Landmaschinen beantragen. Auch hier gilt es, zuvor bei der Forststation die Bestätigung über den Schaden einzuholen.